Vom Geist wissenschaftlicher Identität

„Id facere laus est, quod decet, non quod licet“ – Ja, was ist es denn nun, das sich schickt? Die Frage nach dem Decorum hat heute die Grenzen der klassischen Rhetorik längst überschritten. Man verschafft sich nicht nur durch Rede Geltung beim Rezipienten, sondern sucht nach Angemessenheit auch in vielen anderen Lebensbereichen. Als genuin architektursoziologische Kategorie ist die Suche nach Angemessenheit vor allem eine Identitätssuche. Die symbolische Umbenennung der Universität durch Abänderung des Schriftzugs über dem Eingang des ehemaligen Hauptgebäudes in Karl Marx-Universität am 30. Mai 1968 durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) war womöglich die lauteste und öffentlich ausdrucksstärkste Umgestaltung. Ob sie angemessen war?

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„Alles was ich bin“: Die Doktorgradentziehung an der GU am konkreten Beispiel von Ruth Koplowitz (1906-2001)

Die australische Autorin Anna Funder sagte über die Lebensgeschichte ihrer alten Freundin Ruth Blatt, geb. Koplowitz, Folgendes: „She always saw herself as a wo-man of the new century, making all her own decisions about politics (…), about sex (…) and about religion. As a left-winged jewish woman in the Germany of the first half of the 20th century those decisions could have cost her her life.“

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Veranstaltungshinweis: Adornos Briefwechsel mit Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld am 16. Januar 2020

Unseren diesjährigen Veranstaltungsreigen beginnen wir mit dem zweiten Kapitel der Serie zu Hundert Jahre Soziologie in Frankfurt / 50. Todestag von Theodor W. Adorno: »So müßte ich ein Engel und kein Autor sein« Adornos Briefwechsel mit Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld Nichts deutet bei Adornos Rückkehr aus dem Exil 1949 auf ein Gelingen des Versuchs …

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Die Rektoratsrede Ernst Kriecks 1933: „Die Erneuerung der Universität“

Am 23. Mai 1933 hielt der Pädagoge und Hochschullehrer Ernst Krieck (1882 – 1947) seine Einstandsrede als Rektor der Goethe-Universität im Frankfurter Opernhaus. Nach der Machtergreifung durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 signalisierte der bezeichnende Titel seiner Rede „Die Erneuerung der Universität“ die Richtung, die der bekennende Nationalsozialist mit der Universität einschlagen wollte.

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Projekt Matrikel (Teil 2): Studierende der Universität Frankfurt während des Ersten Weltkriegs

Mit ihrer Eröffnung im Oktober 1914 übernahm die Frankfurter Stiftungsuniversität auch die Studierenden der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften. Die neue Hochschule bestand aus fünf Fakultäten: der Rechtswissenschaftlichen, der Medizinischen und der Philosophischen, der Naturwissenschaftlichen sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

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Ὁ μὴ δαρεὶς ἄνθρωπος οὐ παιδεύεται

Am 28sten August 1749, Mittags mit dem Glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war glücklich: die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau und kulminierte für den Tag; Jupiter und Venus blickten sie freundlich an, Merkur nicht widerwärtig, Saturn und Mars verhielten sich gleichgültig; nur der Mond, der soeben voll ward, übte die Kraft seines Gegenscheins um so mehr, als zugleich seine Planetenstunde eingetreten war. Er widersetzte sich daher meiner Geburt, die nicht eher erfolgen konnte, als bis diese Stunde vorübergegangen.

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