„Alexis de Tocqueville und das Problem der freiheitlichen Demokratie“

Unter diesem Titel reichte der spätere Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Jahr 1952 eine Dissertation an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt ein. Seit drei Jahren war der Jurist und Politiker zum damaligen Zeitpunkt als Bundestagsabgeordneter in der Fraktion der CDU tätig und hatte ab 1951 auch dem Vorstand dieser Partei angehört. Aufgrund seiner Vergangenheit als Parteimitglied in der NSDAP seit 1933 und seiner Tätigkeit in der „Rundfunkpolitischen Abteilung“ des Auswärtigen Amtes während des Krieges wurde er nach 1945 und vor allem in seiner Zeit als Kanzler der umstrittenen großen Koalition (1966-1969) von vielen Seiten kritisiert.

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Vom Geist wissenschaftlicher Identität

„Id facere laus est, quod decet, non quod licet“ – Ja, was ist es denn nun, das sich schickt? Die Frage nach dem Decorum hat heute die Grenzen der klassischen Rhetorik längst überschritten. Man verschafft sich nicht nur durch Rede Geltung beim Rezipienten, sondern sucht nach Angemessenheit auch in vielen anderen Lebensbereichen. Als genuin architektursoziologische Kategorie ist die Suche nach Angemessenheit vor allem eine Identitätssuche. Die symbolische Umbenennung der Universität durch Abänderung des Schriftzugs über dem Eingang des ehemaligen Hauptgebäudes in Karl Marx-Universität am 30. Mai 1968 durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) war womöglich die lauteste und öffentlich ausdrucksstärkste Umgestaltung. Ob sie angemessen war?

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„Alles was ich bin“: Die Doktorgradentziehung an der GU am konkreten Beispiel von Ruth Koplowitz (1906-2001)

Die australische Autorin Anna Funder sagte über die Lebensgeschichte ihrer alten Freundin Ruth Blatt, geb. Koplowitz, Folgendes: „She always saw herself as a wo-man of the new century, making all her own decisions about politics (…), about sex (…) and about religion. As a left-winged jewish woman in the Germany of the first half of the 20th century those decisions could have cost her her life.“

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Gefallene Studenten: Individuelles Andenken

Zu Ehren seines Sohnes gab der Vater Kilian Groeningen im Januar 1915 ein Gedenkheft heraus, welches Informationen zu diesem Einzelschicksal enthält. Der Vater druckte Depeschen mehrerer Kameraden seines Sohnes ab und schuf so eine Erinnerung an seinen Sohn. Die Broschüre gewährt, dank detailgetreuer Schilderungen der Kriegskameraden, auf zwölf Seiten spannende Einblicke in die letzten Stunden Groeningens.

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Veranstaltungshinweis: Adornos Briefwechsel mit Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld am 16. Januar 2020

Unseren diesjährigen Veranstaltungsreigen beginnen wir mit dem zweiten Kapitel der Serie zu Hundert Jahre Soziologie in Frankfurt / 50. Todestag von Theodor W. Adorno: »So müßte ich ein Engel und kein Autor sein« Adornos Briefwechsel mit Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld Nichts deutet bei Adornos Rückkehr aus dem Exil 1949 auf ein Gelingen des Versuchs …

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Die Rektoratsrede Ernst Kriecks 1933: „Die Erneuerung der Universität“

Am 23. Mai 1933 hielt der Pädagoge und Hochschullehrer Ernst Krieck (1882 – 1947) seine Einstandsrede als Rektor der Goethe-Universität im Frankfurter Opernhaus. Nach der Machtergreifung durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 signalisierte der bezeichnende Titel seiner Rede „Die Erneuerung der Universität“ die Richtung, die der bekennende Nationalsozialist mit der Universität einschlagen wollte.

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Projekt Matrikel (Teil 2): Studierende der Universität Frankfurt während des Ersten Weltkriegs

Mit ihrer Eröffnung im Oktober 1914 übernahm die Frankfurter Stiftungsuniversität auch die Studierenden der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften. Die neue Hochschule bestand aus fünf Fakultäten: der Rechtswissenschaftlichen, der Medizinischen und der Philosophischen, der Naturwissenschaftlichen sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

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Gefallene Studenten: Die Ambivalenz kollektiven Gedenkens

Zum Andenken an die gefallenen Universitätsangehörigen plante die Universität bereits während des Ersten Weltkrieges eine „Ehrentafel“ zu errichten. Mit der Aufstellung zweier Gedenktafeln in der Adickeshalle des Jügelhauses sollte sie im Jahr 1925 wie viele andere Institutionen in Deutschland einen Ort schaffen, der an ihre gefallenen Mitglieder gemeinsam erinnerte. Das kollektive Gedenken spiegelte jedoch ebenso die politischen Konflikte wider, die nach der Kriegsniederlage und dem Untergang der Monarchie in der Weimarer Republik ausgefochten wurden. Öffentliche Erinnerung an Gefallene in dieser Zeit diente daher auch dazu, das gegenwärtige und künftige Kollektiv zu bestimmen, was die individuellen Schicksale der Verstorbenen zusätzlich überlagerte.

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