Gefallene Studenten: Die Ambivalenz kollektiven Gedenkens

Zum Andenken an die gefallenen Universitätsangehörigen plante die Universität bereits während des Ersten Weltkrieges eine „Ehrentafel“ zu errichten. Mit der Aufstellung zweier Gedenktafeln in der Adickeshalle des Jügelhauses sollte sie im Jahr 1925 wie viele andere Institutionen in Deutschland einen Ort schaffen, der an ihre gefallenen Mitglieder gemeinsam erinnerte. Das kollektive Gedenken spiegelte jedoch ebenso die politischen Konflikte wider, die nach der Kriegsniederlage und dem Untergang der Monarchie in der Weimarer Republik ausgefochten wurden. Öffentliche Erinnerung an Gefallene in dieser Zeit diente daher auch dazu, das gegenwärtige und künftige Kollektiv zu bestimmen, was die individuellen Schicksale der Verstorbenen zusätzlich überlagerte.

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Ὁ μὴ δαρεὶς ἄνθρωπος οὐ παιδεύεται

Am 28sten August 1749, Mittags mit dem Glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war glücklich: die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau und kulminierte für den Tag; Jupiter und Venus blickten sie freundlich an, Merkur nicht widerwärtig, Saturn und Mars verhielten sich gleichgültig; nur der Mond, der soeben voll ward, übte die Kraft seines Gegenscheins um so mehr, als zugleich seine Planetenstunde eingetreten war. Er widersetzte sich daher meiner Geburt, die nicht eher erfolgen konnte, als bis diese Stunde vorübergegangen.

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1. August 1914

Die im Oktober 1914 feierlich eröffnete Frankfurter Universität war die erste Stiftungsuniversität Deutschlands und somit vom Staat finanziell unabhängig. Das Telegramm von Kaiser Wilhelm II. dokumentiert kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht bloß Glückwünsche des preußischen Königs, sondern benennt auch die essenziellen Bestandteile der Universität Frankfurt, die diese Einrichtung noch heute prägen: Bürger, Professoren und Studenten.

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