Kaufmann, Kunsthistoriker, Emigrant – Leopold Levis

Der 52 Jahre alte Leopold Levis hatte als gelernter Kaufmann unter anderem über Jahre in Singapur gearbeitet, im Ersten Weltkrieg gekämpft, geheiratet und war Vater dreier Kinder geworden, ehe er sich seinen „Jugendtraum“ eines Studiums und einer Promotion in Kunstgeschichte 1937 erfüllen konnte. Kurz darauf wanderte der als Jude Verfolgte mit seiner Familie in die USA auf und baute sich dort eine neue Existenz auf. Wie fügte sich die Promotion in die Biographie von Leopold Levis ein und wie gelang es ihm, in den 1930er Jahren trotz Ausgrenzung und Verfolgung zu studieren und zu promovieren?

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Zufallsfund: NS-Raub an Carl von Weinberg?

Funde geschehen bei systematischen Suchen wie auch zufällig; sie setzen jeweils Kenntnisse und Kriterien voraus. Das Auffinden eines Buches, das in Frankfurt von der NS-Stadtregierung geraubt worden war, bildet das mittelbare Ergebnis einer déformation professionelle: es wurde entdeckt, weil der Finder seine langjährige berufliche Befassung in bezug zur Kommunalpolitik auch in seine Freizeit zur Unterhaltung ausdehnte und dafür parliamentary novels und angelsächsische politische Romane liest.

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„Alexis de Tocqueville und das Problem der freiheitlichen Demokratie“

Unter diesem Titel reichte der spätere Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Jahr 1952 eine Dissertation an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt ein. Seit drei Jahren war der Jurist und Politiker zum damaligen Zeitpunkt als Bundestagsabgeordneter in der Fraktion der CDU tätig und hatte ab 1951 auch dem Vorstand dieser Partei angehört. Aufgrund seiner Vergangenheit als Parteimitglied in der NSDAP seit 1933 und seiner Tätigkeit in der „Rundfunkpolitischen Abteilung“ des Auswärtigen Amtes während des Krieges wurde er nach 1945 und vor allem in seiner Zeit als Kanzler der umstrittenen großen Koalition (1966-1969) von vielen Seiten kritisiert.

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Vom Geist wissenschaftlicher Identität

„Id facere laus est, quod decet, non quod licet“ – Ja, was ist es denn nun, das sich schickt? Die Frage nach dem Decorum hat heute die Grenzen der klassischen Rhetorik längst überschritten. Man verschafft sich nicht nur durch Rede Geltung beim Rezipienten, sondern sucht nach Angemessenheit auch in vielen anderen Lebensbereichen. Als genuin architektursoziologische Kategorie ist die Suche nach Angemessenheit vor allem eine Identitätssuche. Die symbolische Umbenennung der Universität durch Abänderung des Schriftzugs über dem Eingang des ehemaligen Hauptgebäudes in Karl Marx-Universität am 30. Mai 1968 durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) war womöglich die lauteste und öffentlich ausdrucksstärkste Umgestaltung. Ob sie angemessen war?

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„Alles was ich bin“: Die Doktorgradentziehung an der GU am konkreten Beispiel von Ruth Koplowitz (1906-2001)

Die australische Autorin Anna Funder sagte über die Lebensgeschichte ihrer alten Freundin Ruth Blatt, geb. Koplowitz, Folgendes: „She always saw herself as a wo-man of the new century, making all her own decisions about politics (…), about sex (…) and about religion. As a left-winged jewish woman in the Germany of the first half of the 20th century those decisions could have cost her her life.“

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Gefallene Studenten: Individuelles Andenken

Zu Ehren seines Sohnes gab der Vater Kilian Groeningen im Januar 1915 ein Gedenkheft heraus, welches Informationen zu diesem Einzelschicksal enthält. Der Vater druckte Depeschen mehrerer Kameraden seines Sohnes ab und schuf so eine Erinnerung an seinen Sohn. Die Broschüre gewährt, dank detailgetreuer Schilderungen der Kriegskameraden, auf zwölf Seiten spannende Einblicke in die letzten Stunden Groeningens.

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